Erster Oberurseler Science Slam im Kulturcafé Windrose
Wie das Gehirn Zukunft und Roboter Bewegung planen
Wissenschaft im 10-Minuten-Takt und Forschung, die nicht nur klug, sondern auch richtig unterhaltsam war, lockten zum „Kleinen Mittwoch“ am 26. November zahlreiche Besucherinnen und Besucher ins Kulturcafé Windrose. Beim ersten Oberurseler Science Slam des Vereins Kunstgriff ging es um Gehirnaktivitäten bei Frettchen und Menschen, Stammbäume von Texten, laufende Roboter, grüne Mittelmeerschnecken und mehr.
Dass Wissenschaft und Unterhaltung gut zusammenpassen, wissen wir spätestens aus der Fernsehserie „The Big Bang Theory“. Und auch der Science Slam überzeugte mit dieser Kombination. Fünf junge Slammerinnen und Slammer aus Neuro-, Sprachwissenschaften, Informatik, Robotik und Biologie brachten ihre Forschungsprojekte in jeweils zehn Minuten verständlich, humorvoll und mitreißend auf die kleine Bühne des Kulturcafés.
Moderiert wurde der Abend von Jonas Elpelt, selbst Forscher, Poetry- und Science Slammer – und als Mitglied des Vereins Kunstgriff immer bereit, Kultur unter die Leute zu bringen. Für musikalische Einrahmung sorgte außer Konkurrenz „das Musik-Feature“ Nico Brocki, Songwriter aus Heidelberg, mit Liedern über physikalische Formeln und Zusammenhänge.
Den Auftakt machte Neurowissenschaftlerin Sigrid Trägenap vom Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), die als erforscht, wie Neugeborene das Sehen lernen. In Oberursel nahm sie das Publikum mit zu „Frettchen im Kino“ und zeigte, wie Tiermodelle helfen, zu verstehen, wie sich das junge Gehirn verändert, um bewegte Bilder und visuelle Eindrücke zu verarbeiten.
Als „Armindiana Jones“ betrat anschließend Dr. Armin Hoenen von der Goethe-Universität Frankfurt die Bühne, der Vergleichende Sprachwissenschaft mit Informatik verbindet. Mit Hut, Peitsche und Forschergeist erklärte er die Stemmatologie, die Stammbaumforschung von Texten, und zeigte, wie sich mit digitalen Methoden Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Handschriften und Textversionen rekonstruieren lassen.
Dr. Matthias Grabenhorst vom Ernst Strüngmann Institut für Neurowissenschaften zeigte als Cowboy an der E-Gitarre anhand von interaktiven musikalischen Beispielen, wie das das Gehirn Wahrscheinlichkeiten repräsentiert und durch Vorhersage die motorischen Fähigkeiten darauf einstellt.
Für den Brückenschlag zur Technik sorgte anschließend Niklas Conen vom Karlsruher Institute of Technology, der im Bereich Informatik und Robotik arbeitet. In seinem Slam ging es darum, wie humanoide Roboter mit Erkenntnissen aus der Biomechanik lernen, sich auf zwei Beinen zu bewegen.
Zum letzten Slam-Vortrag brachte Dr. Lisa Männer vom Senckenberg Institut Frankfurt ein Modell der Meeresschnecke Elysia timida mit. Die im Mittelmeer vorkommende Art ist dafür bekannt, Chloroplasten aus Algen in ihren Körper aufzunehmen und so gewissermaßen Sonnenenergie zu nutzen.
Mit ihrer Mischung aus fundierter Biologie und einem augenzwinkernden Blick auf ihre grüne „Photosynthese-Schnecke“ überzeugte Männer das Publikum. Bei der denkbar knappen Applausabstimmung erhielt sie den lautesten Beifall und wurde zur Siegerin des ersten Oberurseler Science Slams gekürt. Dabei ging es weniger um den Wettbewerb, sondern vielmehr um den Spaß an der Wissenschaft. Das Publikum ging mit neuen Erkenntnissen und vielleicht mit einem Ohrwurm vom Gravitationsgesetz nach Hause. Fazit: Das war zwar der erste, aber bestimmt nicht der letzte Oberurseler Science Slam.
Mit grüner „Photosynthese-Schnecke“ zum Sieg
Lisa Männer gewinnt beim Science Slam des Vereins Kunstgriff…
Artikel in der Taunuszeitung vom 01.12.2025
Erster Oberurseler Science Slam des Vereins „Kunstgriff“
Artikel in der Oberurseler Woche vom 11.12.2025, Seite 19








