Wilder Ritt durch die Kunstgeschichte – Artikel in der Taunuszeitung vom 11.5.26
Wilder Ritt durch die Kunstgeschichte
Jakob Schwerdtfeger beim Kunstgriff
„Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“. Oder vielleicht doch nicht? Aber eigentlich schon. Zumindest beim Kleinen Mittwoch des Vereins Kunstgriff, bei dem der Kunsthistoriker und Stand-up-Comedian Jakob Schwerdtfeger für die Vorpremiere seiner Show zu seinem neuen Buch für Begeisterung sorgte.
Schwerdtfeger will die Menschen in Museen locken, ihnen aber auch die Augen für Kunst im Alltag öffnen. Beim Kleinen Mittwoch im Kulturcafé Windrose kündigt er einen „wilden Ritt durch 1000 Jahre Kunst“ an. Und hält Wort. Kenntnisreich und humorvoll führt er von der Romantik über Gotik und Barock bis zur Gegenwartskunst und spickt seinen Ritt mit Funfacts, die er bei unzähligen Besuchen in Museen gesammelt hat.
Ein Zeitstrahl helfe beim Entdecken von Unterschieden und Gemeinsamkeiten von künstlerischen Strömungen. Auf ihm ist aber auch zu sehen, dass die ersten Epochen Jahrhunderte dauerten, während sie spätestens nach Barock und Rokoko „nur“ Jahrzehnte lang waren. Schwerdtfeger, der als Erfinder der Kunstcomedy bekannt ist, führt von Funfact zu Funfact. Er zeigt ein Bild aus einem Museum, wo ein Playmobil-Werk vor dem Alter Meister steht. Er zeigt Mona Lisa und andere Bilder, bei denen sich der Betrachter von den faszinierende gemalten Augen verfolgt fühlen – auch von denen im Suppenteller. Der begeisterte Freestyle-Rapper macht darauf aufmerksam, dass Pablo Picasso – geboren als Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz Picasso – und der Rapper Eminem ein gemeinsames Lebensjahr hatten. Und er zeigt, dass manche Gemälde gar nicht in der Zeit entstanden, der sie eigentlich zuzurechnen wären. So präsentiert er auf dem großen Bildschirm ein Gemälde und lässt das Publikum das Entstehungsjahr raten. Die Schätzungen reichen vom 13. bis zum 17. Jahrhundert. Auflösung: Das Bild hatte Piet Mondrian 1912 gemalt.
Das Publikum wird zu Blaues Pferd 1 des Expressionisten Franz Marc geführt, ebenso zum Pop-Art-Klassiker Campbell’s Soup Cans von Andy Warhol und zu Picassos Werk „Jungfrauen von Avignon“, den „Prototyp des Kubismus“. Kenntnisreich, humorvoll und mit unglaublicher Leichtigkeit betrachtet Schwerdtfeger auch Werke unbekanntere Künstler. Er verrät auf Fragen aus dem Publikum nach kurzem Überlegen, dass sein Lieblingsbild von Jan Vermeer stammt: Mädchen mit Perlenohrring. Er sagt, dass er Jonathan Meese, der bei seinen Performances auch schon den Hitler-Gruß gezeigt habe, nicht leiden kann, dass seine Lieblingsepoche der Symbolismus ist, und dass Bildrechte erst verfallen, wenn der Künstler mindestens 70 Jahre tot ist. Schließlich weist er noch auf „unglaublich lustige“ Straßenkunst von „PENG“ hin. Von ihm gebe es in Frankfurt hunderte Motive. Sie seien vielen bestimmt schon vor Augen gekommen. Sie bildeten eine „Schnitzeljagd für Erwachsene“.
Schwerdtfeger beachtet in seinem Buch „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“ Werke aus der ganzen Welt. So wie ein Fingerbild aus China, dessen Figuren aus seinen Fingerabdrücken entstehen ließ und der sich angeblich seinen Daumennagel lang wachsen ließ, um ihn dann einzuschneiden und ihn als „Pinsel“ verwendete. Die meisten beschriebenen seien in deutschen Museen zu sehen. Schließlich sollen „seine“ Leser die Werke live betrachten können.
Der Autor würde mit seinem neuen Buch gerne wieder auf die Spiegel-Bestsellerliste kommen. So wie mit seinem ersten Werk „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst“. Ob es gelingt, wird sich zeigen. Das Buch erscheint am 15. Mai. Zumindest viele Besucher der Kunstgriff-Veranstaltung im Kulturcafé werden die Verkaufszahlen nach oben bringen.
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